________ ANGELS
Drei Tage

So ich melde mich endlich mal wieder seit Tagen oder sind es schon Wochen? Ich habe keine Ahnung, zur Zeit habe ich ziemlich viel um die Ohren, deswegen habe ich nicht weiter geschrieben. Es schien mir nicht richtig so viel über mich zu schreiben wenn doch andere Leute viel mehr leiden. Das hört sich jetzt an wie eine Nonne die gerade anfängt gutes für die Menschheit tun zu wollen. Aber darum geht es auch gar nicht. Eigentlich wollte ich nur die drei Tage auf notieren in denen ich weg war, vielleicht liest es ja Jemand.

Am Freitag Nachmittag bin ich abgereist, wohin wissen die Leute den ich es erzählt habe und das ist so weit ich weiß nur meine beste Freundin. Alle anderen wissen nicht mal das ich überhaupt weg war. Meine Mum hat mich mit zu einer Freundin genommen, sie war Heilpraktikerin und wollte mit mir eine Iristherapie durchführen. Wir fuhren so bestimmt an die 5 Stunden dorthin, zwischen drin machten wir halt in ein paar größeren Städten und erkundeten die City oder aßen was. Na ja ich wollte eigentlich wieder nach hause, zurück zu meiner besten Freundin, jemand der mich wohl noch für geistlich normal einstufte. Wenigstens durfte ich den Laptop mit nehmen aber wirklich viel zum schreiben, fiel mir nicht ein.  Sonst schrieb ich bei solchen beschissenen Situationen immer stunden lang. Doch diesmal hatte ich einfach nur Angst. Ich hatte Angst das man mich für Psychisch labil hält oder so. Ich wollte am Ende nicht dort bleiben, als ich dann sah das in der Nähe eine Psychiatrie war ich mit den nerven ziemlich am Ende. Natürlich schrieb ich gleich meiner besten Freundin, dem Menschen der mich wohl als einzigen nicht für geistesgestört hielt. Ich wusste nicht was mir alles durch den Kopf ging in diesen Moment, nur eins wusste ich genau ich wollte zurück… nach Hause. Dennoch musste ich mich zusammen reisen. Denn schließlich würde diese seltsame Möchtegern Psychologin sicher stutzen wenn ich anfangen würde mit weinen. So machte ich es wie immer und lächelte einfach, obwohl in mir drin eine Leere der Angst war, lächelte ich nach außen hin. Spielte den Sonnenschein so wie es alle wollten und kannten. Der mann von Dorit, so hieß die Heilpraktikerin, war seltsam wenn auch lustig. Er trank viel.  Keine Ahnung meistens verzog ich mich in mein Zimmer, das ich mit meiner Mum teilte, zurück. Ich klappte den Laptop auf und stellte mein Handy auf laut.  So hielt ich die Angst wenigstens etwas im Zaum. Am nächsten Tag war meine Sitzung für den Vormittag angesetzt, davor ging es in die Psychiatrie. Meine Mum wollte sie sich mal angucken und Dorits Kind war dort. Ihr ältester Sohn. Ich frage mich bis heute wie Eltern eine Einweisung in diese Anstalt überhaupt unterschreiben können.   Müsste nicht ihr Vater oder Mutterherz schreien, halt das ist doch dein Kind du weißt wenn es hier landet ist es verloren? Ist es denn jedem scheißegal was passiert wenn das Kind mit bekommt das die Eltern es abschieben. Es aufgeben? Wissen sie eigentlich was dann zerbricht?

Nein wie auch, wenn wir es ihnen sagen oder zeigen, schieben sie es auf einen labilen Zustand oder sie hören einfach nicht zu. Wir gingen auf die Kinderstation. Ja richtig es gab hier eine Kinderstationen. Mir liefen Kinder entgegen die waren vielleicht 9 Jahre ich weiß es nicht mehr genau. Jedoch habe ich mich bei einem kleinen Jungen gleich zu Beginn erschrocken. Er war aus seinem Zimmer gerannt und zum Fenster gelaufen. Mit seinem kleinen Teddybär in der Hand stand er an dem vergitterten Fenster und rief nach seiner Mami. Die Schwestern brachten ihn nur mit Mühe wieder rein. Als ich Dorit fragte was mit den Jungen währe, er währ doch ganz normal. Sagte sie das der kleine von seiner Mutter wohl missbraucht worden war und er deswegen öfters psychische Störungen entwickelte. Er hieß Johannes und war nach Angaben schon über ein 1 Jahr hier. Jedoch wusste sie dies nur von ihrem eigenen Sohn und von den Schwestern die ab und an redeten und mit denen sie wohl ein freundschaftlichen Kontakt hegte. 1 Jahr. Mich fröstelte es. Ein Jahr auf dieser Station, man sah nicht mehr als weiße Wände, die Schwestern die irgendwie abgestumpft und gefühlslos waren. Man hatte nicht mehr als sein Bett und sein Zimmer, das man auch noch teilte mit anderen. Ich stellte mir das Leben hier schlimmer vor als im Gefängnis. Im Gefängnis hielten sie dich für gefährlich aber nicht für jemanden der nicht mehr alle Tassen im Schrank hatten. Wir gingen also weiter zu Dorits Sohn.  Wir trafen ihm im Aufenthaltsraum. Wieso er hier war erfuhr ich erst am letzten Tag. Er hatte das Borderline Syndrom. Welches jedoch so schlimm schien, das er häufig sich und sein Umfeld gefährdete. Ich verstand mich mit ihm sehr gut, er hatte viele Träume und vor allem konnte er so lebhaft erzählen. Wenn man ihm zuhörte dachte man auf der gleichen Wiese zu sitzen wie er von der er erzählte. Ich weiß das dass der einzige Moment war wo ich keine Angst vor dieser Einrichtung hatte. Um so weniger verstand ich seine Mutter. Wie konnte sie so Jemanden dort einsperren. Müsste ich dann nicht auch dorthin. Ich träumte genauso gerne und verschwand in meiner Welt. Doch das währe angeblich anders, meinte Dorit und meine Mum. Ich flüchte ja nicht in diese Welten ich schrieb sie ja auf ich war so etwas wie ein Autor, der seine Geschichten für andere schrieb. Hatten die eine Ahnung!! Na gut ich schrieb die  Geschichten zusammen  mit meiner Freundin. Aber was machte es für ein Unterschied ob man nun zu zweit träumte oder alleine und still und heimlich in einer Ecke?

Im Aufenthaltsraum saß ein Mädchen, sie hieß Sarah. Sie ritzte sich regelmäßig und war suizidgefährdet etwas was häufig auf der Kinderstation rum lief. Wie man mir sagte.  Sie saß einsam am Fenster ich blieb neben den Sohn von Dorit. Doch dieser meinte wir könnten ruhig einmal rüber gehen sie währe wirklich nett. Ich schloss mich ihm an und wir redeten mit Sarah. Sie machte mir ein Kompliment das ich so schöne Farben trug und erkundigte sich wie es wohl so draußen ist in der Freiheit. Wie sie es nannte. Ich erzählte ihr von vielen Dingen, auch von den Herbst und den Bäumen. Als ich sagte das ich reiten gänge. Leuchteten ihre Augen und ich sollte mehr von den Pferden erzählen. Auch Dorits Sohn war ganz gebannt. Es schien als würde ich ihnen zum ersten Mal davon erzählen das es so etwas wie die erste Eisenbahn gab. Sie kannten das draußen nicht mehr, so wie wir es kennen. Sie durften zwar raus, wenn sie nicht Stufe 1 oder so waren. Aber auch nur bestimmten und nie in Freiheit. Sarah war seit einem Jahr nicht mehr richtig draußen gewesen. Sie war Selbstmord gefährdet  und durfte die Station kaum verlassen. Sie meinte an manchen Tagen wüsste sie gar nicht mehr wie frische Luft roch. Die meisten hier wartete eh nur darauf das sie 18 wurden und sich selbst hinaus schreiben konnten. Wenn es denn ging. Doch die meisten kamen zurück. Langsam wurde mir auch klar warum. Diese Psychiatrie machte aus gesunden Menschen kranken. Ich fragte mich, als ich wieder ging, ob Dorits Sohn und Sarah eines Tages raus kommen würden? Sarah war 15 und das alter von den Sohn von Dorit wusste ich nicht mal. Ich fragte auch nicht nach. Mir war kalt und ich fühlte mich regelrecht unwohl. Als ich wieder draußen war. Seltsamerweise atmete ich die Luft viel intensiver ein und aus als sonst. Dabei schossen mir die Worte von Sarah durch den Kopf. Ich wollte nicht hier bleiben ich wollte zurück und wieder mit meiner besten Freundin quatschen. Danach hatte ich meine Behandlung, sie hat mir ne halbe Stunde in die Augen geguckt, zumindestens kam es mir so vor. Ich dachte die Frau währe vielleicht besser gekommen sie hätte mir das Auge raus genommen und währe da weile gegangen und hätte es später wieder abgeholt. Irgendwie  schien es sie zu stören das ich noch an meinen Auge dran hing. Na ja dann meinte sie ich solle noch eine machen. Krank währe ich auf jeden Fall gewesen auf gut deutsch sie wusste nicht was mit mir los war.

Ich schrieb meiner besten Freundin wieder und hoffte um eine schnelle Antwort. Ich machte mir Sorgen, es schien ihr nicht wirklich gut zu gehen und ich fühlte mich schlecht das ich nicht da war um ihr zu helfen oder sie auf andere Gedanken zu bringen.

Am nächsten Tag gingen wir dann ins Kloster, ja das gab es hier auch. Es war Klosterfest und ich fühlte mich etwas befreiter, ich nahm meine Kamera mit und nahm das Kloster auf, ich dachte gleich an Tara und Co und mir ging es besser. Sofort schrieb ich meiner besten Freundin was hier alles von statten ging. Ich sagte mir immer es ist nur noch ein Tag dann bist du wieder zu hause und hast jemand mit dem du wieder lachen kannst. Und dann kam etwas was mich ziemlich heftig traf, Tanja wollte aufhören mit den allem, mit dem Netz einfach mit allem. Meine beste Freundin wollte einfach nicht mehr da sein. Ich hatte Angst das ich was falsch gemacht habe und fragte mich warum ihr unsere Freundschaft so viel weniger bedeutete. Natürlich schrieb ich ihr etwas zurück. Ich verstand es nicht. Warum wollte sie den Kontakt abbrechen. Sie war doch nun mehr der einzige Mensch der mich noch für normal hielt. Also für na ja vielleicht nicht normal aber ganz einfach für jemanden den es spaß machte mit mir zu leben.

Irgendwie schien sie dann doch zu bleiben, keine Ahnung wie ich sie überzeugt hatte. Am nächsten Tag wollte ich nur nach Hause um vielleicht wenigstens noch einen Tag mit meiner besten Freundin zu verbringen. Einen Tag, nur einen einzigen. Ich wollte nicht das sie geht ohne das wir uns verabschiedeten. Meine Mum wollte jedoch zu einer Freundin nach Dresden ich ging mit. Musste ich ja. Doch ich hoffte eigentlich ständig das ich bald zu hause war. Als es endlich soweit war. Kam ich nach Hause und bekam den nächsten Schock mein Häschen war ganz apathisch und  saß nur in der Ecke. Ich weinte weil ich Angst hatte es würde sterben und ich einen sehr guten Freund dadurch verlieren könnte. Ich ging zum Tierarzt, er meinte das Häschen hätte sich vielleicht die Hüfte geprellt. Ich war froh das an dem Abend Tanja wieder da war. Mit ihr konnte ich reden und wir brachten uns wohl gegenseitig auf andere Gedanken.

Ich bin froh das ich so eine beste Freundin gefunden habe wie sie. Und auch wenn wir anscheinend seit gestern Abend uns nicht so wirklich verstehen. Hänge ich doch an ihr. Manchmal wüsste ich nicht wie ich dieses Wochenende überlebt hätte, hätte ich nicht mit ihr geschrieben oder gewusst sie währe nicht da gewesen. Ich würde ihr auch gerne bei ihren Problemen helfen, aber ich weiß glaube ich nicht mal wie ich ihr helfen könnte und ob sie mich überhaupt lässt. Na ja solltest du das lesen, irgendwann einmal, vielleicht. Egal was ist oder was passiert ich werde immer deine Freundin bleiben und dich auch unterstützen wenn du es willst und zu lässt….

17.10.07 10:20
 


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